Sinn und Zweck oder die wahre Absicht des Buddhismus ist das Glück des einzelnen Menschen. Jeder Mensch soll eine Lehre nutzen können, mit der er das aus sich selbst heraus schaffen kann, nicht von außen herbei flehen oder erbeten. Der Buddhismus sagt: Da ist keiner! Der Himmel ist leer. Das Universum unendlich, Zeit eine Illusion und wenn du deinen Schöpfer sehen willst, schau in den Spiegel. Der Mensch hat Gott nach seinem Abbild erschaffen, weil er einfach zu bequem ist, sich mit den grundlegenden Tatsachen des Lebens auseinander zu setzen.
Aber alle jammern und klagen!
"Das Leben im Kreislauf von Geburt und Tod ist letztlich leidvoll." Das ist die erste der vier edlen Wahrheiten des frühen Buddhismus. Da, bitte: Jammern und Klagen erlaubt!
Eine Weisheit des kölschen Volksmundes besagt: "Et jitt kei' jrößer Leid, als wat d'r Minsch sisch selfs andeit."
… "Wie meins' do dat jetz' - sisch selfs andäät?! Isch han' doch jar nix jemaat!"
Praktisch alle Religionen und Philosophien versuchen eine Antwort auf die Frage zu geben, wie gute und schlechte Taten - in oder nach dem Leben - vergolten werden. Die Erklärung des Buddhismus lautet, dass der Mensch durch gutes und schlechtes Handeln 'Karma' schafft, welches seine weiteren Existenzen in einem immerwährenden Kreislauf von Wiedergeburten (samsara) bestimmt.

Vom Leiden befreien. Dazu braucht es: Die Vier edlen Wahrheiten:
(1) Das Leben im Kreislauf von Geburt und Tod ist letztlich leidvoll.
(2) Die Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung…
(3) Es gibt ein Ende des Leidens durch Erlöschen der Ursachen.
(4) Zum Ende des Leidens führt das Beschreiten des "Achtfachen Pfades", den der Buddhismus als praktischen Weg anbietet. Dieser stellt eine Mischung aus ethischer Lebensweise, rechtem Wissen und geistiger Versenkung dar.
Die Ursachen des Leidens, die so genannten Drei Gifte führen zu Krieg, Hungersnöten und Seuchen, schreibt der chinesische Gelehrte T'ien-t'ai. Der Buddhismus geht also den Weg, die Ursachen des Leidens offen zu legen.
Im frühen Buddhismus ging man davon aus, dass es sechs Daseinsbereiche gäbe, in die man je nach Karma geboren würde. Von diesen Bereichen entsprechen der Hass der Welt der Hölle, in der Lebewesen extrem leiden. Hass führt zu Krieg, schreibt T'ien-t'ai.
Unstillbare Habgier ist charakteristisch für den Existenbereich der Hungrigen Geister. (Hier befinden sich jene, die in ihrer Vorexistenz habgierig, geizig oder gefräßig waren, kurz: die, die nie genug bekommen konnten. Ihre charakteristische Emotion ist die Gier.) Habgier führt zu Hungersnöten, schreibt T'ien-t'ai. Eigentlich wäre genug für alle da, aber aus Habgier versuchen einige Wenige, sich zu bereichern.
Und drittens der Bereich der Tiere. Sie können nur ihren Trieben und Instinkten folgen und sind anderen Wesen oft hilflos ausgeliefert. Auch hier überbringt der Buddha seine Botschaft: Unter sehr günstigen Umständen kann ein Tier die Buddhaschaft erlangen. Die charakteristische Emotion der Tiere ist Unwissenheit. Man spricht auch von Dummheit oder Verblendung. Unwissenheit führt zu Seuchen, schreibt T'ein-t'ai, weil man die wahren Ursachen einer Ansteckung nicht versteht und sich nicht schützt. (Jeder Mensch trägt das Erbe der Evolution in sich und agiert zu 90% instinkt-gesteuert ohne sich dessen bewusst zu sein.)
Obwohl es hier die Leiden von Geburt, Altern, Krankheit, Tod, Trauer und Trennung gibt, ist die Menschenwelt doch der günstigste Bereich, da es den Menschen am ehesten möglich ist, die Lehre des Buddha zu hören und daraufhin gemäß seiner Lehre zu leben. Die Chance, aus dieser Existenzform die Erlösung vom Leiden zu erreichen, ist höher als in jedem anderen Bereich. Das Dasein als Mensch ist deshalb allen anderen Existenzformen vorzuziehen. (!) Ihre charakteristische Emotion ist das Phlegma - bitte keine Veränderungen, bitte so weiter wie bisher, ich will mich nicht bemühen müssen, ich will mir keine Gedanken machen. Alles soll so bleiben wie es ist und ich muss nichts dafür tun.
Der Bereich der eifersüchtigen Götter, der sogenannten Asuras: Sie hadern beständig mit den Göttern und versuchen ihren Platz einzunehmen, was ihnen aber nicht gelingt. Es herrscht ein ständiger Kampf. Sie haben keine Zeit, die buddhistischen Lehren zu praktizieren. Ihre charakteristische Emotion ist Eifersucht.
Buddhistische Götter sind zwar himmlische Wesen, aber erfahren auch Leiden und Tod. Weil das Dasein als Gott aber relativ glücklich ist, ist es umso schwieriger, die Notwendigkeit buddhistischer Ausübung einzusehen; sie sind durch ihren temporären Glückszustand borniert und daher nicht empfänglich für die Lehren des Buddha. Ihre charakteristische Emotion ist Stolz.
Im Buddhismus gibt es die also genannten Sechs Daseinsbereiche oder wie wir sagen, die sechs Welten und im frühen Buddhismus stellte man sich vor, je nach Karma in einer dieser Welten wieder geboren zu werden. Das bedeutet, je nach dem wie man zu Lebzeiten Ursachen angesammelt hat, wird man nach dem Tod in einer dieser sechs möglichen Reinkarnationsformen landen. Wenn man jedoch den Weg des Buddhismus einschlägt, erschließt man sich noch vier weitere Möglichkeiten. Die ersten sechs passieren quasi ohne eigenes Zutun, die anderen vier Welten der Stimmenhörer, der 'Zur Ursache Erwachten', der Bodhisattvas und des Buddhas sind für Buddhisten und beschreiben Fortschritts-Stufen auf dem Weg zur Erleuchtung.
Jetzt sagt Nichiren aber: "... zu der Frage, wo genau sich die Hölle und der Buddha tatsächlich befinden: In einem Sutra heißt es, die Hölle sei unter der Erde, und in einem anderen, der Buddha weile im Westen. Bei genauerer Betrachtung wird jedoch klar, dass beide in unserem fünf Fuß großen Körper vorhanden sind." [SND S.1388
Es geht in unserem Buddhismus also nicht um Wiedergeburt in irgendwelchen Ländern, sondern um Selbstwahrnehmung. Diese zehn Welten existieren natürlicherweise in jedem Menschen.

Vertreter aller sechs Daseinsbereiche und vier Fortschrittsstufen erscheinen personifiziert wie Bühnendarsteller im ersten Kapitel des Lotos-Sutras und nehmen ihre Plätze ein, vorne sitzt meditierend Shakyamuni, der Buddha, und der gigantische Platz an einem Berghang im antiken Indien ist plötzlich bevölkert von Göttern wie Shakra und Indra, von Asuras und Dämonen, von
Schlangenkönigen, Naturgeistern, Drachen, Vogelmenschen, Pferdemenschen1, Mönchen, Nonnen, Laienanhängern und -Anhängerinnen, sowie hervorragenden buddhistischen Gelehrten und Schülern des Buddha.
Wir sagen heute: Vertreter aller zehn Welten erscheinen bei dieser Zeremonie am Adlergipfel und bei der Zeremonie in der Luft. So hat Nichiren es als Objekt der Verehrung, als Schriftmandala hinterlassen, als Gohonzon. Gemeint sind der teuflische, habgierige, instinkthafte, eifersüchtige, phlegmatische, himmelhoch jauchzende, die Wahrheit zur Kenntnis nehmende, Zusammenhänge durchschauende, mitfühlende und der zur Wahrheit erleuchtete Aspekt unseres Lebens, die alle in uns schlummern, die mal unerwartet wie von selbst erscheinen und mal zielstrebig verfolgt werden wollen.

Anmerkungen / Quellen:
1. Pferdemensch, Gandharva ethymologisch verwandt mit dem griechischen Kentauros, auch halb Pferd halb Mensch. Das ist nur so ein kleiner, bemerkenswerter Aspekt.
Interessanterweise gab es um 400 v.u.Z. diese so genannte Achsenzeit (Karl Jaspers), in der grundlegende Überlegungen der Menschheit sich über große Entfernungen, anscheinend doch nicht völlig unabhängig voneinander, im indo-germanischen Sprachraum parallel entwickelten.
Die griechischen Philosophen und Shakyamuni waren Zeitgenossen.
Inwiefern hat man sich gegenseitig befruchtet?
Wikipedia: Die sechs Daseinsbereiche
https://de.wikipedia.org/wiki/Sechs_Daseinsbereiche
Zum Thema Welt der Tiere: Instinkte – Unser Erbe aus der Evolution
Gosho: Die Schriften Nichiren Daishonins, Seite 1388 - Nr. 172 Neujahrsbrief

